
Interpretation des Märchens
Märcheninhalt
Im Wald des
Königs ereignen sich unerklärliche Dinge - die Jäger kehren nicht zurück
und der König verbietet zum Schutz seiner Leute, den Wald zu betreten.
Ein fremder Jäger entdeckt den wilden Mann, der alles
Lebendige zu sich in den Sumpf zieht. Eisenhans wird ausgegraben, ins
Schloß gebracht und in einem Käfig gefangengehalten. Der Sohn des Königs
befreit ihn und wird in den Wald mitgenommen. Dort muß er den Brunnen
vor Verunreinigung schützen. Dies gelingt ihm nicht und Eisenhans
schickt ihn mit seinen goldenen Haaren in die Welt zurück, um sich dort
zu bewähren. Eisenhans verspricht ihm seine Unterstützung in Notlagen.
Am Ende wird der Prinz mit Hilfe von Eisenhans der Gemahl der
Prinzessin. Eisenhans kommt als erlöster König zur Hochzeit und stellt
dem Prinzen alle seine Schätze zur Verfügung.
Thema des Märchens
Das Märchen ist eine Methapher für den menschlichen Umgang mit der geistlichen/spirituellen Dimension hinter der sichtbaren Wirklichkeit. Eisenhans, der Wegweiser zu den Schätzen des mystischen Bereiches ist verwünscht und wirkt gegenteilig - er widersetzt sich dem Verlangen der Jäger. Die weltliche Autorität/ König ist dadurch verunsichert. Die geistliche/spirituelle Wirklichkeit wird mit einem Tabu belegt, einem Verbot, das bis auf weiteres vor der unerklärlichen Gefahr schützen soll.
Ursachenforschung
Eisenhans, das vermeintliche Hindernis wird gefunden und gefangen genommen. Das Tabu wird auf das Hindernis/ Eisenhans übertragen und die Verbindung zwischen Welt und spiritueller Dimension ist scheinbar wieder in Ordnung.
Der Brunnen, die mystische Quelle, ist ohne den Wegweiser Eisenhans nicht zu finden. Der Sohn des Königs, Figur für Veränderung und Entwicklung lässt sich auf einen neuen Weg ein und lernt das mystische Wirklichkeit des Eisenhans kennen. Durch die Selbstspiegelung im Brunnen bekommt er goldene Haare und muss mit diesem "Kennzeichen/ Begabung/ Auftrag/ Berufung" in die Welt des Vaters zurück. Er darf sich nur in der Not an Eisenhans wenden. Die Kraft aus dem spirituellem Bereich dient dem Leben und wird über Eisenhans gegeben. Damit verbindet der Prinz das Reich seines Vaters "Eisenhans" mit dem seines weltlichen Vaters. Der Prinz ist einen anderen Weg zu den Schätzen des mystischen Bereichs gegangen und hat dadurch Eisenhans erlöst.
Das Märchen erinnert in vielen Sequenzen an die christliche Lehre.
Die spirituelle Dimension ist in zwei Figuren und dem Element des goldnen Wassers eingefangen, ähnlich der Dreifaltigkeit: Gottvater - Eisenhans,
Jesus als Prinz und Heiliger Geist - Wasser des Brunnens
Märchengeschehen und Rollenbeschreibung
Der König
die kulturell gültige geistliche/geistige Autorität und Institution. Er regiert sein Reich: er schickt seine Diener aus, er ordnet an, verbietet, beschützt, nimmt gefangen, gewährt, droht und bestraft. Er bestimmt den menschlichen Umgang mit dem Waldbereich/ spirituellem Bereich.
Die Königin
ist der Spiegel des Königs. Er gibt die Verantwortung für den gefangenen Eisenhans im Symbol des Schlüssels an sie ab.
Eisenhans
der Hüter des Waldes und Weg zum Brunnen ist verwünscht und schadet den Menschen. Ein neuer Weg muß gesucht werden, um zu den Schätzen des mystischen Bereichs zu kommen.
Der Prinz
durchbricht die alte Vorgehensweise, läßt sich mit Eisenhans ein und bekommt Zugang zu seinem Reich. Er kehrt in die Welt zurück und bekommt in Notlagen Unterstützung von Eisenhans. Der Prinz findet einen anderen Weg zu den Schätzen des Waldbereichs.
Die Prinzessin
ist der gegengeschlechtliche/menschliche Spiegel für die geistliche Entwicklung des Prinzen. Eine Spiegelverstärkung durch den Vater der Prinzessin ist notwendig.
Zusammenfassung des Spiegelprozesses
Der
Prinz handelt gegen ein gefürchtetes Verbot des Vaters - er läßt sich
mit dem gefangenen Eisenhans ein und geht zusammen mit ihm einen neuen
Weg zu den Schätzen des Waldes. Eisenhans nimmt ihn mit in sein Reich,
um ihn nach der Mißachtung der Gebote vor der Welt zu schützen. Er sorgt
für ihn und macht in mit den Aufgaben der mystischen Wirklichkeit
vertraut. Der Prinz verunehrt den Brunnen durch sein "Menschlichsein"
und Eisenhans schickt ihn in die Welt zurück. Der Prinz mit goldenen
Haaren ist ein Mensch mit spirituellen Begabung. Er verbirgt seine
goldenen Haare und seine mystische Erfahrung vor der Welt.Er führt ein hartes, karges Leben und zieht sich immer mehr
von den Menschen zurück. In seiner Ausgegrenztheit und Einsamkeit entsteht durch die Sonnenspiegelung der gegengeschlechtliche
menschliche Entwicklungsspiegel, die Prinzessin. Die Sonne, das Symbol
des Lichtes, der Erleuchtung, der Göttlichkeit, ist ein Hinweis auf eine
höhere Macht, die sich im Licht, Symbol der Sonne, verbirgt. Der Prinz wird von der Prinzessin zweimal aufgefordert, seinen
Hut abzunehmen. Er verweigert sich und schenkt die Golddukaten den
Kindern des Gärtners. Der Prinz kann den Reichtum seiner Erfahrung nicht einschätzen. Er distanziert sich damit von
Eisenhans und seiner Berufung. Diese Weigerung macht eine Situation mit intensiverem
Aufforderungscharakter nötig. Das Reich des Königs, Vater der
Prinzessin, wird angegriffen, d.h. die Entwicklung des Prinzen ist, im
Spiegelbild betrachtet, in Gefahr. Der Prinz ist in Not und in
dieser ruft er Eisenhans um Hilfe an. Er bekommt von Eisenhans ein Heer und besiegt die Bedrohung. Er lässt nicht
zu, dass das Reich seiner Prinzessin/ seine Berufung zerstört wird und
setzt sich damit spiegelbildlich für diese ein, indem er seine
spirituelle Kraft in der Verbindung mit Eisenhans nutzt. Der Prinz
kämpft für die Rettung seiner spirituellen Welt mit Eisenhanskräften/
spirituellen Kräften. Der Prinz siegt und macht damit eine weitere positive
Erfahrung mit spirituellen Kräften. Er gibt Eisenhans die Kräfte/ Pferd
und Heer zurück und kehrt mit seinem hinkenden Pferd ins Schloß zurück.
Er verbirgt seine Begabung/ Berufung und will nicht in der Verbindung
zu Eisenhans erkannt werden. Der Prinz weiß von der Wirkung der
spirituellen Kräfte. Er ist persönlich überzeugt, verbirgt aber trotzdem
nach außen diese Erkenntnis.
Das Spiegelbild fordert den Prinzen auf, sich zu seiner Begabung zu bekennen. Die Prinzessin will den Held sehen und der König veranstaltet deswegen ein Fest, bei dem sich die Ritter beweisen müssen. Dies ist eine eindeutige und letzte Aufforderung, sich zur Eisenhans und den spirituellen Kräften zu bekennen. Der Prinz bittet wiederum Eisenhans um Hilfe, diese Aufgabe zu meistern. Er will damit im Spiegel der Prinzessin seine Eisenhanszugehörigkeit offenlegen. Die Prinzessin gibt, wie so oft in Märchen, drei Chancen vor und jedesmal fängt der Prinz den goldenen Apfel. Seine Verbindung zu Eisenhans ist zuverlässig sicher- die Harmonie zwischen Person und Berufung ist da. Der Prinz scheut vor dem letzten Schritt zurück - er will nicht erkannt werden.
Diese endgültige Entscheidung bedarf wiederum eines Dreierschrittes: Die Verbindung zu Eisenhans war durch weltliche Autorität verboten und mit Strafe belegt. Sich zu bekennen, ist, aus der Vergangenheit betrachtet, sehr gefährlich. Eine zusätzliche Verstärkung der Prinzessin in der Autorität des Königs ist notwendig. Der König ist eine weltliche gültige Autorität und unterstützt das Ziel der Prinzessin und somit die Entwicklung des Prinzen. Die Welt hat sich verändert. Der König verkörpert diese neue geistige Basis und hat die Macht, Begabung und Berufung einzufordern. Er lässt den Prinzen verfolgen und zwingt ihn, sich zu stellen. Seine goldenen Haare werden für einen Moment sichtbar und er wird erkannt. Die Prinzessin als direkter Spiegel benennt den Gärtnerjungen mit den goldenen Haaren und er wird vorgeladen. Der Spiegel kündigt den nächsten Schritt an. In dieser Situation muss sich der Prinz entscheiden: bekennen oder verleugnen. Der Prinz bekennt sich zu Eisenhans im übertragenen Bild eines Vaters - einer geistigen Zugehörigkeit. Die Spiegelung wird in der Hochzeit abgeschlossen. Der Prinz wird damit ein offizieller Eisenhanssohn, nach außen erkennbar und von außen anerkannt. Die Trennung von Wald- und Schlossbereich wird dadurch aufgehoben. Eisenhans wird erlöst. Er kommt aus seinem Wald, aus dem spitituellem Bereich, in den Schloßbereich zur Hochzeitstafel als geheimnisvollen König und stellt dem Prinzen alle seine Schätze seines Reiches zur Verfügung.
Betrachtung des Märchenverlaufs
Waldbereich und Schlossbereich
Im
Wald befindet sich der Brunnen mit dem goldenen Wasser. Eisenhans ist
die Figur, die den Bereich hütet und den Zugang ermöglicht oder
versperrt. Eisenhans ist ein Medium, ein Mittler zwischen Waldbereich und
Schloßbereich, zwischen Geist und Materie, zwischen zwei
Wirklichkeiten, der unsichtbaren und sichtbaren.
Der König in seinem Schloßbereich handelt von seinem gültigen
weltlichen Standpunkt aus und versucht Nahrung aus dem Wald zu bekommen.
Er schickt seine Jäger aus, um Nahrung aus dieser unsichtbaren
mystischen Wirklichkeit zu holen. Die Jäger verfolgen eine Fährte und
haben ein klares Ziel - sie wollen aus dem Wald mit einem nützlichen/
nährenden Ergebnis zurückkommen. Eine von der Welt ausgehende
spirituelle Vorstellung und Erwartung wird hier in dieser Sequenz
beschrieben. Eisenhans stört diese zielorientierte
Vorgehensweise bereits im Ursprung. Er zieht die Jäger in das Sumpfloch -
eine Methapher für die Unzugänglichkeit zu spirituellen Quellen und die Gefahren. Menschen
meiden den Sumpf. Das Vorgehen des Königs, die menschliche Suche nach
spirituellen Quellen ist eine Gefahr für das weltliche Leben.
In dieser Ausgangssituation, in der Menschen ausgehend von
ihrer Wirklichkeit nach mystischen Schätzen streben, ist Eisenhans ein
gefährlicher Mann, der den Männern Schaden zufügt. Eisenhans ist
verändert oder verwandelt, in dem er die Menschen an ihrem Tun
hindert. Der König/ der Mensch kennt keine andere Vorgehensweise als diese
und ist durch diese Resonanz stark verunsichert. In seiner
Verantwortlichkeit verbietet der König seinen Jägern, den Waldbereich zu
betreten. Die Trennung von Wald- und Schlossbereich beschreibt die
Trennung zwischen wahrnehmbarer Wirklichkeit/Realität und nicht
sichtbarer Wirklichkeit/ Mhystik.
Der Bruch der beiden Wirklichkeiten ist nötig, um Schaden abzuwenden - eine Veränderung ist nicht möglich. Stillstand!
Ein fremder Jäger, ein nicht zum Königreich zugehöriger
Mensch, ist frei von dieser Vorerfahrung und bietet sich an, nach den
Ursachen zu suchen. Der König warnt ihn, läßt aber den Einblick in die
bisherige Vorgehensweise zu.
Der Jäger läßt seinen Hund, wie die Jäger vor ihm, eine Fährte
verfolgen und er selbst bleibt zurück und beobachtet das, was
geschieht. Er rekonstruiert die Vorgehensweise der Jäger und entdeckt
die Reaktion aus dem Sumpf.
Drei Männer schöpfen den Sumpf aus - der Jäger bezieht die
Zuständigen in die Ursachenforschung mit ein. Gemeinsam suchen sie nach
dem Grund und entdecken das Hindernis. Der Beschreibung nach ist
Eisenhans rostig und hat überlange Jahre. Das Hindernis existiert
demnach schon sehr lange.
Der König/Welt bemächtigt sich nun dieses Hindernisses und
nimmt es aus dem Wald/ mystischen Bereich heraus. Der König verhängt nun
das Verbot über Eisenhans, das erkannte Hindernis und der
Waldbereich/spiritueller Bereich wird wieder zugänglich.
Der König gibt den Schlüssel zum Käfig ab an die Königin - er
gibt die Macht über den gefangenen Eisenhans ab an sein Spiegelbild und
macht damit die Handlung unwirksam. Spiegelbilder können nicht handeln.
Eisenhans wird nicht gefangen bleiben - seine Befreiung steht von Anfang
an fest. Weltliches Handeln in Beziehung zu mystischen Gegebenheiten
wird in dieser Sequenz deutlich außer Kraft gesetzt. Ohne den Schlüssel
hat der König keine wirkliche Macht über Eisenhans - die Gefangennahme
ist eine Täuschung.
Der Sohn des Königs, sein Nachfolger und ein Teil von ihm,
spielt bereits im Umkreis des Käfigs und verliert seinen goldenen Ball
an Eisenhans. Der goldene Ball ist das Symbol des königlichen Kindes.
Der Prinz verliert seinen weltlichen königlichen Status an Eisenhans
d.h. er verliert seine weltliche Identität/ Menschlichkeit durch die
Anziehungskraft/ Faszination an Eisenhans. Der Prinz steht damit
zwischen dem König/ Welt und Eisenhans/ Mystik. Er muß sich entscheiden.
Der Prinz steht zwischen dem Verbot des Vaters und dem Verlangen des
Eisenhans.
Wie in Märchen üblich, wird die Entscheidung in 3 Schritten
getroffen. Zweimal widersteht der Prinz der Anziehungskraft des
Eisenhans. Als der König das Schloß verläßt und die weltliche Autorität
ihren Einfluß verliert, öffnet der Prinz den Käfig und wendet sich
Eisenhans zu. Er bekommt seinen Ball/ menschliche Identität zurück und
Eisenhans eilt zurück in den Wald. Ohne Eisenhans im Schloßhof
zurückzubleiben, hat schlimme Konsequenzen - die Lebensstrafe! Für
Menschen gibt es als Bestrafung eigentlich nur die " Todesstrafe". In
diesem Fall hat der weltliche König die " Lebensstrafe" verhängt. Ohne
Eisenhans wird das Leben für den Prinzen zur Qual. Der Prinz hat Angst
vor den Schlägen des Vaters, vor den Konsequenzen, die ihm die Welt
aufzwingt. Der Prinz fürchtet ein Leben ohne Spiritualität - die Welt
ohne Eisenhans ist sehr bedrohlich.
Eisenhans kehrt um, wendet sich dem Prinzen zu, indem er ihn
mit sich in den Wald nimmt und dadurch vor dem gefürchteten Leben
bewahrt.
Der Prinz ist von " Vater und Mutter" getrennt, die
weltlichen Bindungen haben keinen Einfluß mehr. Die weltliche Bindung
ist aufgelöst. Das Begreifen mystischen Wirklichkeit wird mit dieser
Methapher eingeleitet. Der Prinz ist bei Eisenhans und wird von diesem
mit den mystischen/spirituellen Gegebenheiten vertraut gemacht.
Der Prinz wird " eingeweiht" - er bekommt die Aufgabe, den
Goldbrunnen vor Verunehrung zu bewahren. Im Bild des kristallklaren
Wassers wird die Beschaffenheit der " mystischen Wirklichkeit" wie
Klarheit, Licht, Reinheit beschrieben. In den Symbolen der goldenen
Schlange und des goldenen Fisches werden die geistigen Schätze in dieser
Wirklichkeit wie Weisheit, Erkenntnis und Heil verschlüsselt.
Der Prinz lernt durch diese Aufgabe das andere Sein, das
andere Wesen des Wassers kennen. Er lebt in der Unterscheidung der
beiden Wirklichkeiten. Das Wassers der sichtbaren Wirklichkeit/ Materie
hat eine andere Qualität als das Wasser der " mystischen Wirklichkeit".
Er geht mit dem Wasser des Geistes um wie mit dem Wasser der Welt. Doch
das Gold an seinem Finger ist nicht mehr abzuwischen. Eisenhans weiß von
diesen menschlichen Schwierigkeiten, dem ersten Irrtum und verzeiht dem
Prinzen.
Der Prinz bekommt eine 2. Chance.
Aus der ersten Erfahrung hat der Prinz gelernt, hat seinen
weltlichen Schmerz zurückgehalten. Er hat versucht, beide Wirklichkeiten
zu trennen. Der Schmerz stammt aus der Situation, als der Prinz die
Türe des Käfigs öffnete. Der Verlust und der Verzicht auf " weltliches
Sein" zu gunsten einer spirituellen Begegnung fällt sehr schwer.
Der Prinz bemüht sich, aber unglücklicherweise fällt ein Haar
in den Brunnen. Es ist nicht möglich, sein Menschsein zurückzuhalten.
Eisenhans hat auch für dieses Mißgeschick Verständnis, warnt den Prinzen
aber vor der dritten Verunreinigung, die Konsequenzen hat.
Spiegelung im Wasser des Brunnens
Hier
wird der Wasserspiegel zum magischen Spiegel der Person. Der Prinz
nähert sich seinem Spiegelbild, um sich selbst in die Augen zu sehen. Er
sucht sich selbst im Wasser des Brunnen und im Bild seiner fallenden
Haare vermischen sich Menschlichkeit und Geistlichkeit. Die Faszination,
sich selbst als Mensch im Wasser des Brunnens zu erkennen, ist stärker
als die Verpflichtung gegenüber Eisenhans. Der Prinz ist wieder
menschlich geworden, unterscheidet sich aber nun von seinen Mitmenschen -
Eisenhans hat ihn vor dieser Konsequenz gewarnt. Das Wasser des
Brunnen ist durch die menschliche Berührung verunehrt/bemenschlicht
worden und der Prinz muß in die Welt zurück. Er wird von Eisenhans in
die Grenzen seines Menschseins gewiesen, um sich in dieser Wirklichkeit
zu bewähren.
Hier setzt Eisenhans eindeutige Grenzen zwischen den beiden Wirklichkeiten. Er weist dem Prinzen den angemessenen Platz zu. Der Prinz unterscheidet sich jedoch durch seine Brunnenberührung von seinen Mitmenschen und wird es besonders schwer haben. Eisenhans erlaubt dem Prinzen, in der Not nach ihm zu rufen.
Der Prinz als Mensch
Der Prinz ist
lebensuntüchtig - er hat nichts gelernt - er ist auf die Hilfe der
anderen angewiesen, um leben zu können. Er verrichtet die einfachste
Arbeit - er fängt an zu lernen ein Mensch zu sein und für sich zu
sorgen.
Er verbirgt seine goldenen Haare, den Unterschied zu anderen
Menschen, aus Angst und Vorsicht, in dieser Wirklichkeit zu scheitern.
Er steht zwischen zwei Wirklichkeiten, ist aber bereit, sich der sichtbaren Wirklichkeit anzupassen.
Er kann sich den Vorschriften des Königs, der Welt nicht ganz
anpassen. Die goldenen Haare, seine Erfahrung im Eisenhansreich, sind
ein Hindernis. Er nimmt sein Tuch nicht ab, als er Speisen zur
königlichen Tafel tragen muß. Er verschweigt seine " Besonderheit" und
erfindet eine negative Unterscheidung/ grindiger Kopf. Er wird von der
Welt ausgeschlossen und sein Leben wird noch schwieriger. Er wird der
harten Wirklichkeit im Bild von Wind und Wetter ausgesetzt und er
arbeitet außerhalb des Schlosses.
In dieser Ausgegrenztheit kann er sein Hütchen abnehmen und
ist zum erstenmal für einen Augenblick ein Mensch mit goldenen Haaren.
Der Prinz als Mensch mit der Berührung des Geistes
Das Spiegelangebot / Entwicklungsweg
Zu diesem
Zeitpunkt wird durch den Zufall der Sonneneinstrahlung/ kosmische Kraft
die Prinzessin zu seinem Spiegel. Sie sieht den Gärtnerjungen mit den
goldenen Haaren und weiß um seine Identität.
Die Aufgabe des Spiegels ist, den Prinzen zu ermutigen, seine Identität zu akzeptieren und zu zeigen.
Diese Sonnenmethapher weist auf die Unmöglichkeit hin, diese
Brunnenberührung geheimzuhalten. Sonne ist Licht - durch sie wird auch
die Wirklichkeit der Welt sichtbar. Sonne ist als Symbol auch der
Hinweis auf Göttlichkeit.
Die persönlichen Entwicklungsschritte
Die Prinzessin zieht dem Prinzen den Hut vom Kopf, beschenkt ihn und spiegelt ihm damit seinen Reichtum. Diese Belohnung ignoriert er. Er ist überrascht. Die Goldtaler gibt er den Kindern des Gärtners zum Spielen. Er kann seinen spirituellen Reichtum nicht einschätzen. Dreimal verweigert er die Spiegelaufforderung: er will die Haare nicht zeigen und die Golddukaten der Prinzessin nicht annehmen. Er weist damit die Prinzessin als Spiegel und damit seine Entwicklung zurück. Er will der spirituellen Erfahrung und Prägung aus dem Wege gehen. Die drei Chancen hat der Prinz nicht genutzt, sondern seine Verweigerung eindeutig belegt. Wie immer im Märchen, wird der Aufforderungscharakter in der Situation entsprechend stärker, um eine Veränderung in die Wege zu leiten. Das Entwicklungsziel ist in Gefahr, verloren zu gehen.
Das Reich des Königs wird von einem starken Feind angegriffen. Das Reich der Prinzessin ist in Gefahr, zerstört zu werden. Die Prinzessin ist der Spiegel für Menschlichkeit und spirituelle Begabung. Der Prinz ist in Lebensnot. Von den Menschen bekommt er keine Unterstützung, die Gefahr abzuwenden. Sie lassen ihn allein mit einem hinkenden Pferd. Mit dieser letzten begrenzten menschlichen Kraft ruft der Prinz nach der Hilfe des Eisenhans.
Die Hilfe des Eisenhans
In dieser Notlage lernt der Prinz die Kräfte der unsichtbaren Wirklichkeit aus demReich des Eisenhans kennen.
Er bekommt von Eisenhans aus dem spirituellem Bereich ein ganzes Heer, eine enorme Kraft, zur Verfügung gestellt, mit dem er sich vor dem persönlichen Zugrundegehen retten kann. Er gibt nach dieser Rettung die Kraft zurück und ist wieder der einfache Gärtnerjunge mit dem begrenzten menschlichen Vermögen.
Der König richtet ein Fest aus, um diesen Helden der Rettung kennenzulernen.
Der Prinz wird nun von der weltlichen Autorität aufgefordert, sich zu zeigen.
Sein Spiegelbild, die Prinzessin bietet ihm die Möglichkeit.
Sie wirft den goldenen Apfel, das Symbol für die Erkenntnis aus dem
Paradies, die mystische und verlorengegangene Wirklichkeit.
Wiederum sind drei Versuche vorgegeben.
Eisenhans stattet den Prinzen wieder mit der nötigen Kraft aus.
Der Prinz bekommt jeweils die passende Rüstung zu den drei
Pferden Fuchs, Schimmel und Rappe. Die Stimmigkeit von Kraft und Person
kommt zum Ausdruck.
Der Prinz fängt jedesmal den Apfel, gibt sich aber nicht zu erkennen.
Beim drittenmal, bei der letzten Gelegenheit, verfolgen ihn
die Reiter des Königs. Die weltliche Autorität erhebt Anspruch auf seine
Person, auch auf die Gefahr hin, ihn dabei zu verletzen.
"Das Pferd des Eisenhans sprang so gewaltig, daß der Helm ihm vom Kopf fiel...."
Das Pferd des Prinzen scheute durch diese Verletzung und der
Prinz ist in Gefahr, abgeworfen zu werden - die Eisenhanskraft bringt
den Prinzen in Bewegung und in Bedrängnis - er verliert den "
Schutzhelm/Tarnkappe" und sein Kennzeichen/ goldenen Haare werden
gesehen.
Die Prinzessin erkennt in der Beschreibung den Gärtnerjungen und er wird vorgeladen.
Er läßt sich jetzt das Hütchen abnehmen und folgt der Aufforderungen des Spiegels.
Er zeigt die goldenen Äpfel, aber auch seine körperliche Wunde als Beweise seiner Identität.
In der Vermählung, Verbindung mit seinem Spiegelbild, wird dieser Prozeß abgeschlossen.
Eisenhans erscheint als erlöster nichtweltlicher König bei der
Hochzeitstafel und bereichert ihn mit all seinen Schätzen.
Der Prinz wird am Ende der Eisenhanssohn, der über die Schätze der nichtsichtbaren Wirklichkeit/ Mystik verfügen kann.
Die Verbindung von Wald- und Schloßbereich wird in dieser Sequenz deutlich gemacht. Der Prinz hat die Trennung der beiden Wirklichkeiten durch seine Erkenntnis und sein Bekenntnis aufgehoben und dadurch Eisenhans erlöst. Eisenhans gibt den Menschen seine Schätze - auf diesem Weg funktioniert die Verbindung beider Bereiche. Die Ausgangssituation beschrieb den umgekehrten Weg, auf dem die Jäger sich die Schätze aus dem Wald holen wollten.
Es gibt zu diesem Märchen keine eigenen inneren Bilder